Das Krankenzimmer klang mechanisch – piepende Monitore, leise Alarme, Luft, die durch Plastikschläuche strömte. Ich kämpfte gegen eine Sepsis nach einer missglückten Operation, und jede Stunde fühlte sich ungewiss an. Da tauchte endlich Ethan Marshall auf, gepflegt und besorgt, die Sorge wie aufgesetzt.
Er beugte sich vor und umfasste meine Hand. „Wir sehen keinen anderen Ausweg mehr“, murmelte er. „Die Versicherung deckt nicht alles ab. Verkauf das Haus. Wenn wir das nicht tun … schaffst du es nicht.“
Ich wollte ihm glauben. Ihm zu glauben, fühlte sich sicherer an, als mir einen Verrat auszumalen. Also nickte ich schwach. „Okay“, flüsterte ich. „Tu, was du tun musst.“
Am nächsten Tag kam ein Notar. Ich konnte den Stift kaum halten, aber Ethan führte meine Hand, als würden wir etwas Romantisches unterschreiben – und nicht das Haus übertragen, das ich lange vor unserer Begegnung gekauft hatte.
„Du rettest mich“, sagte ich schwach.
„Immer“, antwortete er und drückte mir einen Kuss auf die Stirn.
Drei Tage später vibrierte mein Handy: Verkaufserlös eingegangen. Die Summe wirkte unwirklich. Dann eine weitere Benachrichtigung – eine E-Mail von einer mir unbekannten Anwaltskanzlei. Im Anhang: die Scheidungsklage.
Ich dachte, es müsse ein Irrtum sein – bis ich den Umschlag auf meinem Tabletttisch entdeckte, zwischen Krankenhausbroschüren und einem Becher mit schmelzendem Eis. Mein Name stand sauber in Ethans Handschrift darauf. Darin befanden sich die ausgefüllten Scheidungspapiere und ein Haftzettel: „Nichts Persönliches. Du verstehst.“
Ich habe nicht geweint.
Ich lachte – ein kurzes, scharfes Geräusch, das die Krankenschwester einen Blick auf mich werfen ließ.
Statt zusammenzubrechen, schrieb ich ihm eine SMS: „Überprüf das Konto nochmal.“
Innerhalb weniger Sekunden klingelte mein Handy ununterbrochen. Als ich endlich abnahm, war seine sanfte Stimme verschwunden.
„Was hast du getan?“, fragte er mit zitternder Stimme.
„Genau das, was Sie mir beigebracht haben“, sagte ich leise. „Wie man vorausdenkt.“
Er rief immer wieder an und hinterließ Nachrichten, die von Frustration und Angst durchdrungen waren.
„Die Gelder sind gesperrt.“
„Lily, das ist nicht lustig.“
„Regulier das.“
Beschränkt. Das Wort gefiel mir.
Lesen Sie weiter, indem Sie unten auf die Schaltfläche ( NÄCHSTE SEITE 》 ) klicken!