Sie lächelte, bediente und hörte zu.
Klaus redete weiter – wieder auf Deutsch – und machte Bemerkungen über ihre Hände, ihren Beruf und die Art von Leben, die sie seiner Meinung nach führte. Er amüsierte sich prächtig. Die Sprache diente nicht der Kommunikation; sie war ein Deckmantel für Grausamkeit.
Als Iris mit dem Wein zurückkam, war ihr Einschenken perfekt – ruhige Hand, exaktes Maß.
Klaus lehnte sich zurück und sagte auf Deutsch: „Sehen Sie? Nicht die geringste Regung. Sie hat überhaupt nichts verstanden.“
Iris bewahrte einen sanften Blick und eine ruhige Haltung. Denn sie hatte vor langer Zeit etwas von ihrer Großmutter gelernt:
Macht ist nicht nur das, was man sagt.
Es kommt darauf an , wann man sich entscheidet, es auszusprechen.
Und dann hörte Iris einen Satz – immer noch auf Deutsch –, der ihr ein flaues Gefühl im Magen verursachte.
Klaus erwähnte das St. Brigid Krankenhaus , dasselbe öffentliche Krankenhaus, in dem Iris' Großmutter behandelt worden war. Er sprach von „Effizienz“ und „Einsparungen“, wie manche Leute über das Beschneiden von Blumen reden – als wären Menschenleben nur Zahlen und Unannehmlichkeiten.
Iris ließ das Tablett nicht fallen.
Sie zitterte nicht.
Doch etwas in ihr veränderte sich.
Zurück in der Küche beobachtete Küchenchef Benoît sie aufmerksam.
„Was hat er gesagt?“, fragte er.
Iris schluckte. „Er glaubt, ich verstehe ihn nicht.“
Küchenchef Benoît runzelte die Stirn. „Wirklich?“
Iris erwiderte seinen Blick. „Jedes Wort.“
Zum ersten Mal in dieser Nacht spürte sie ihren eigenen Herzschlag wie eine Trommelgruppe.
Der Moment, als sie ihre Stimme wählte
Gegen Ende des Gottesdienstes rief Klaus sie zu sich, als wäre sie ein Möbelstück, für das er bezahlt hatte.
Er deutete auf einen leeren Stuhl.
"Sitzen."
Iris blieb stehen. „Ich bin am Arbeiten, Sir.“
Klaus' Lächeln erlosch. „Ich biete Ihnen einen besseren Job an. Dreifaches Gehalt. Diskrete Arbeit. Kein Drama.“
Es war keine Großzügigkeit. Iris konnte den Haken unter der Seide spüren.
„Danke“, sagte sie ruhig. „Aber nein.“
Leons Lachen war schrill. „Hat sie gerade Nein gesagt?“
Klaus beugte sich vor, die Augen zusammengekniffen, als ob ihn die Ablehnung persönlich beleidigte.
„Sie verstehen Ihre Lage nicht“, sagte er. „Leute wie Sie sagen nicht Nein zu Leuten wie mir.“
Iris blieb standhaft. „Dann haben Sie mich missverstanden.“
Klaus wechselte wieder ins Deutsche, langsam und kalt, so dass es wie ein Schlag wirken sollte.
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