Die Seiten zitterten in meinen Händen.
Im Umschlag befand sich ein ausgefüllter Entwurf der Vormundschaftsdokumente, unterschrieben von Michael und meiner Mutter. Das Notarsiegel am unteren Rand war makellos und wirkte offiziell – alles war vorbereitet.
Dann entfaltete ich einen Brief, der in Tante Sammies präziser, bissiger Handschrift verfasst war.
Sie behauptete, Michael sei labil. Sie habe Anwälte konsultiert. „Ein Mann, der nicht mit dem Kind verwandt ist, kann keine angemessene Erziehung leisten.“
Es ging nie um meine Sicherheit.
Es ging um Macht.
Darunter lag ein einzelnes zerrissenes Blatt aus dem Tagebuch meiner Mutter.
In ihrer Handschrift standen die Worte:
Falls mir etwas zustößt, lasst sie nicht mitnehmen.
Ich presste das Papier an meine Brust und schloss die Augen. Der Garagenboden war kalt, aber der Schmerz in meinem Herzen übertönte ihn.
Michael hatte diese Last allein getragen.
Und er hat es nie an mich herangelassen.
Der Anwalt hatte die Testamentseröffnung für elf Uhr angesetzt. Tante Sammie rief um neun Uhr an.
„Ich weiß, dass das Testament heute verlesen wird“, sagte sie freundlich. „Vielleicht könnten wir zusammen hingehen? Familienmitglieder sollten zusammen sitzen.“
„Sie haben noch nie bei uns gesessen“, erwiderte ich, unsicher, was ich sonst noch sagen sollte.
„Ach, Clover. Das ist schon ewig her.“
Es entstand eine Pause – kurz, aber bewusst.
„Ich weiß, dass die Situation damals angespannt war“, fuhr sie fort. „Deine Mutter und ich hatten… Komplikationen. Und Michael – nun ja, ich weiß, dass er dir wichtig war.“
„Hat es dich interessiert?“, wiederholte ich. „Vergangenheitsform?“
Wieder Stille.
„Ich wünsche mir einfach, dass der heutige Tag reibungslos verläuft. Für alle.“
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