Das Zimmer war düster, nur von Monitoren und sanftem Deckenlicht erhellt. Hannah wirkte winzig in dem Krankenhausbett. Ihre Haut war blass. Viel zu blass. Doch mein Blick fiel sofort auf ihre Hände, dick in weiße Verbände gewickelt, die auf Kissen ruhten.
„Papa?“ Ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern.
Ich sank neben ihrem Bett auf die Knie.
„Ich bin hier, Liebling. Ich bin direkt hier.“
Ich wollte sie berühren, sie halten, aber ich hatte panische Angst, ihr weh zu tun.
„Was ist passiert?“ , fragte ich leise. „War es ein Unfall?“
Ihr Atem ging schneller. Ihr Blick huschte zur Tür.
„Bitte lass sie nicht herein“, flüsterte sie.
„Wer, Hannah?“
Sie schluckte schwer.
„Melissa.“
Die Wahrheit, die Hannah allein trug
Sie erzählte mir, sie habe Hunger gehabt. Dass der Küchenschrank wieder verschlossen gewesen sei. Dass sie ein Stück Brot auf dem Boden gefunden und es für den Morgen unter ihrem Bett versteckt habe.
Mir stockte der Atem.
„Sie hat mich erwischt“, fuhr Hannah fort, Tränen rannen ihr über die Wangen. „Sie sagte, ich hätte gestohlen. Sie sagte, böse Kinder müssten es lernen.“
Ihre Stimme versagte.
„Sie führte mich in die Küche.“
Sie konnte den Satz nicht beenden. Das musste sie auch nicht.
Ich betrachtete ihre bandagierten Hände. Ihren zerbrechlichen Körper. Die Angst, die sich in ihr Gesicht eingegraben hatte.
„Sie sagte, das Wasser würde das Böse aus mir auswaschen“, flüsterte Hannah. „Sie sagte, wenn ich es dir erzähle, würdest du mich für immer verlassen.“
Etwas in mir ist zerbrochen.
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